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Mittwoch, 01. Dezember 2021
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Beruf

beruf: gehängt in ketten denkt das wort" (schönett)

schreiben, ja, ja. immer schon, ja, ja. seit 1997 wirklich. wirklich?

paul auster(1997): gebet für salman rushdie

"ich bete jeden morgen für diesen mann, aber im innersten weiß ich, dass ich auch für mich selbst bete. sein leben ist in gefahr, weil er ein buch geschrieben hat. auch ich schreibe bücher, und ich weiß, es sind nur zufälligkeiten der geschichte und reines glück, dass nicht ich in seinen schuhen stecke. wenn nicht heute, dann vielleicht morgen. wir sind im selben verein: einer geheimen bruderschaft von einsiedlern, eigenbrötlern und verrückten, von männern und frauen, die die meiste zeit in kleinen zimmern hocken und mühsam worte zu papier bringen. das ist ein seltsames leben, und nur ein mensch, der in dieser frage gar keine wahl hat, macht dies zu seinem beruf. es ist zu anstrengend, zu schlecht bezahlt, es birgt zu viele enttäuschungen, als dass es sich für irgendeinenen anderen eignen würde. talente und zielsetzungen sind unterschiedlich, aber jeder schriftstellerer, der etwas taugt, wird ihnen das gleiche erzählen: um einen roman zu schreiben, muss man die freiheit haben, zu sagen, was man zu sagen hat. ich habe von dieser freiheit mit jedem wort, das ich geschreiben habe, gebrauch gemacht - nicht anders als salman rushdie. und das macht uns zu brüdern. und deshalb ist seine bedrohung auch meine."

(auster. "die kunst des hungerns, rowohlt, paperback, 2000)